Wellington – Die Stadt der Überraschungen

Eigentlich sollte Wellington für uns nur ein Durchgangsstopp sein. Wir hatten vor unsere Visa für Vietnam zu beantragen und wollten zügig mit der Fähre zur Südinsel übersetzen. Leider mussten wir am Tag nach unserer Ankunft feststellen, dass dieser ein Feiertag war und wir bei der Botschaft von Vietnam vor verschlossenen Türen standen. Leicht gefrustet spazierten wir durch die Innenstadt von Wellington ohne so richtig etwas mit uns anfangen zu können. Alle Geschäfte hatten augenscheinlich zu und wir hatten uns vorher auch wenig darüber informiert, was man in der Hauptstadt von Neuseeland anstellen kann.

„Es ist meiner, mein eigen, mein Schatz!“
– Bilbo Beutlin –

Unsere Stimmung änderte sich schlagartig, nachdem wir zufällig in die Straße der Juweliere einbogen und freudig feststellten, dass diese Geschäfte offen hatten. Eine gute Gelegenheit um in dem Land der Ringe nach Tinas Verlobungsring zu suchen. Erstaunlicherweise fand sie den perfekten Ring recht schnell, oder sollten wir eher sagen, der Ring hat sie gefunden. Da diese Kaufentscheidung jedoch nicht leichtfertig getroffen werden sollte, wollten wir beim Mittagessen alle fürs und wider noch einmal durchsprechen. Wir fanden ein super süßes Café und machten es uns am Fenster gemütlich. Wie aus dem Nichts schauten wir in das Gesicht von Johan-Gustav, dem Sohn von Annerose und Robert. Die beiden hatten uns vom Tongariro Basecamp bis kurz vor Hamilton mitgenommen und waren nun auf der Suche nach Essen und einer Unterkunft. Bei beidem konnten wir ihnen behilflich sein. Nach dem freudigen Wiedersehen aßen wir gemeinsam zu Mittag und konnten die drei von unserem schönen AirBnB überzeugen. Nach einem kurzen Telefonat war klar, das zweite Schlafzimmer ist noch frei und wir werden die kommenden 2 Tage zusammen verbringen. Die drei machten sich kurze Zeit später auf den Weg zum AirBnB und wir gingen zurück zum Juwelier um den Ring zu bestellen. Dieser sollte am folgenden Tag für uns zum Abholen bereit stehen.

Itchy Feet Insider: Das AirBnB von Howard and Joan hat absolut zu Recht 5 Sterne und ist eine der besten Unterkünfte, in der wir auf unserer Reise nächtigen durften.
https://www.airbnb.de/rooms/954154?location=Wellington%2C%20Neuseeland&s=esIr_Q80

Am Abend wollten wir es uns im Haus bei einer Flasche Wein und einem guten Stück Fleisch gemütlich machen. Hierfür machten wir Jungs uns auf zum nächsten Supermarkt um einzukaufen. Auf der abschüssigen Parkhauseinfahrt fiel uns zu spät ein, dass der Rückwärtsgang von Roberts Bus vor kurzem den Geist aufgegeben hatte und dass das Parkhaus für unser Gefährt nicht hoch genug gebaut war. Jetzt standen wir da, es ging weder vor oder zurück und hinter uns reihte sich eine längere Schlange Autos aneinander. Stellt euch jetzt bitte mal vor, das passiert in Deutschland. Wie würden wohl die meisten deutschen Mitbürger auf unseren Fauxpas reagieren? Vermutlich würde der Versuch um Verständnis zu bitten im Hupkonzert der Autos untergehen. Nicht so in Neuseeland, fast alle Autofahrer hatten Verständnis und bedankten sich sogar dafür, dass ich ihnen auf der Straße stehend Bescheid gegeben habe, damit sie einmal um den Block zum zweiten Eingang fahren konnten. Glücklicherweise hatte ein junger Maori unsere Misere erkannt und fragte erst gar nicht, ob er uns helfen konnte. Er fuhr mit seinem riesen Truck kurzerhand über den 30cm hohen Bordstein und platzierte sich hinter unserem Bus. Kurz angehängt tippte er am Gas und zog uns zurück auf die Straße. Nach dem Einkaufen schmissen wir zu Hause den Grill an und verbrachten einen entspannten Abend.

Da die drei eine Werkstatt finden mussten um das kaputte Getriebe zu reparieren, zogen wir alleine los. Wir beantragten erstmal die Visa für Vietnam und da das alles nicht so schnell geht, ließen wir unsere Pässe da. Nachdem alles erledigt wurde, würden uns die Pässe nach Queenstown geschickt werden. Wir waren gespannt, ob das funktioniert.
Nachdem Tina den fertigen Verlobungsring mit einem Lächeln im Gesicht in ihren Händen hielt, nutzten wir den restlichen Tag und besuchten das Nationalmuseum „Te Papa“ im Hafen. Dieses ist kostenlos für alle Besucher und absolut empfehlenswert. Es erzählt die Geschichte Neuseelands, gibt einen tiefen Einblick in die Vergangenheit und die Lebensweise der Maori und stellte zum Zeitpunkt unseres Besuches die Beteiligung der Neuseeländer am 2. Weltkrieg dar. Die außerordentlich realistischen Darstellungen vermittelten ein beeindruckendes Bild über die Lebensumstände der Soldaten an der Front. Ein absolutes Muss für alle Neuseelandbesucher.
Nach einem kurzen Abschiedsdrink mit Johann-Gustav, Annerose und Robert ging es für uns ins Bett. Am nächsten Morgen mussten wir früh raus um auf unserer Fähre zur Südinsel anzuheuern.

Es grüßen aus der Heimat,
Tina und Andi von Itchy Feet

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