Südamerika – Ein Resümee

Zwischen großen Kontrasten, kleinen Hindernissen und vielen wunderschönen Momenten!

Wenn wir vor der Reise über unsere Route erzählten, dann gab es meistens zwei Reaktionen. Die Eine, „Da will ich auch unbedingt mal hin“ und die andere, „Wie ist es da eigentlich mit der Sicherheit?“. Bei Süd Amerika hörten wir oftmals die zweite Frage. Die ersten Gedanken bei dem Begriff Südamerika sind Drogenkrieg, Korruption, Straßenräuber und Machu Picchu. Wie sollte es auch anders sein, wenn es dieser Teil der Welt nur mit Mord und Todschlag, ausgeraubten Touristen und großen Busunglücken in die Nachrichten schafft.

„Reisen ist das Entdecken,
dass alle unrecht haben mit dem,
was sie über andere Länder denken.“
– Aldous Huxley –

Worüber sich viele nicht bewusst sind, ist die Schönheit dieser Länder. Neben der landschaftlichen Vielfallt von schneebedeckten Bergen, tiefen Schluchten, weiten Ebenen und dichtem Regenwald kann man hier noch alte Sitten und Bräuche hautnah miterleben. Besonders die Frauen in ihrer traditionellen Kleidung und den Kindern auf dem Rücken gehören zum Bild der Länder. Auch die Verwendung von pflanzlichen Heilkräutern ist nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch in den Städten noch weit verbreitet. Hier bekommt man für jedes Wehwehchen ein Mittel, Naturkunde gepaart mit ein bisschen Zauber. Wer jetzt aber an eine unterentwickelte Medizin denkt, ist weit gefehlt und sollte mal an die Bestandteile und Wirkstoffe unserer Medikamente denken. Nicht ohne Grund haben Pharmakonzerne ein großes Interesse an der Pflanzenwelt aus den Urwäldern Südamerikas.

Unser Reisealltag
Unser Hauptfortbewegungsmittel war der Bus. Also hieß es Ziel überlegen, Ticket besorgen und ab ging die Fahrt. Große Distanzen legten wir mit dem Nachtbus zurück. Dadurch sparten wir nicht nur eine Unterkunft, sondern oftmals auch einen Tag, den wir somit sinnvoll nutzen konnten. Unterkünfte buchten wir meistens im Voraus, damit wir nicht in den letzten Absteigen landeten oder wie in Cusco mit unserem gesamten Gepäck durch die Gegend irrten. Und dann sind da noch die alltägliche Dinge wie Wäsche waschen. Dies erledigten wir im Hostel, hier konnten wir unser dreckigen Schlüpper einfach abgegeben und gegen ein paar Pesos haben wir sie auch meistens sauber und trocken wieder bekommen ;).

Budget
Da wir nicht wie 20-jährige Backpacker reisen und auf absolutem low Budget leben, kamen wir mit den recherchierten 20-30 Euro pro Person als Tagesbudget nicht aus. Neben günstigen Streetfood und Localplaces gönnten wir uns hin und wieder auch mal ein schickes Restaurant, ein ordentliches Stück Steak oder ein süßes Café. Selbst gekocht wurde in Südamerika eher selten. Wenn man darüber hinaus nicht in den allergünstigsten Unterkünften und als Paar nicht im Dorm unterkommen möchte und bei den Touren dann auch noch auf kleinere Gruppen, Qualität und Nachhaltigkeit setzt, dann muss man eher 40-50 Euro als Tagesbudget pro Person einplanen.  

Essen
Da wir das Essen von der Straße lieben, hat sich unsere Restaurantwahl meistens dann entschieden, wenn wir Rauch in den Himmel haben aufsteigen sehen und wir dem Grillgeruch folgten. Auch mit der Kombination „heruntergekommener Laden“ – aber „voll mit Locals“ haben wir nie danebengelegen. Unsere morgendlichen Mahlzeiten bestanden hauptsächlich aus Toast, Erdbeermarmelade und Eiern. Nach zwei Monaten südamerikanischem Frühstück wissen wir die deutsche Bäckerkunst mit ihren Körner-Möhren-Dinkel-Mehrkornbrötchen zu schätzen.

Verkehr
Da kommt man aus dem geordneten Deutschland mit seinen Ampeln, Zebra- und Fahrstreifen und landet in einer Region, in der man selbst bei Grün auf vorbeirauschende Autos achten muss. Normalerweise sind die Südamerikaner ja ganz entspannt, genießen das Leben und lassen auch mal fünfe grade sein, aber sobald sie hinter dem Steuer sitzen, zählt jede Sekunde. Da stört es den Busfahrer auch nicht, wenn er mitten in der Nacht bei spärlicher Beleuchtung kurz vor der Kurve zum Überholen ansetzt. Jetzt darf man aber nicht gleich denken, dass sie dies ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen machen. Immerhin haben sie Ihr Tun kurz vorher mit wildem Hupen angekündigt. Das können sie übrigens sehr gut, das Hupen. Egal, ob zum Gruß, zum Anzeigen von Verkehrsdelikten anderer oder als Ankündigung von Eigenem, die Hupe ist da und darum wird sie auch ausgiebig genutzt.

Umweltbewusstsein
Wir waren regelmäßig richtig geschockt, wie, besonders in Bolivien, mit der Umwelt und dem Müll umgegangen wird. Die prägendste Geschichte haben wir auf dem Weg von Potosi nach Uyuni erlebt. Hier saß eine Frau ein paar Reihen vor uns im Bus und sie schlürfte ihr Getränk mit einem Strohhalm aus einer Plastiktüte. Nachdem sie fertig war, öffnete sie das Fenster und warf alles auf die Straße. Wir konnten es kaum glauben, aber leider ist diese Frau ein gutes Beispiel für viele Bewohner Boliviens. Aber wie sollen sie es auch lernen, wenn selbst die Regierung Pläne entwickelt, um den geschützten Madidi Nationalpark durch ein Damm-Projekt weitestgehend zu fluten und alles Leben in diesem Gebiet zu zerstören.
In Chile und Argentinien hat aus unserer Sicht der höhere Bildungsstand zu einem Grundverständnis für Umweltschutz geführt. Die Menschen lassen ihren Müll nicht sofort fallen, wenn sie ihn loswerden wollen. Auch die finanzielle Situation in den Ländern ermöglicht es, Geld für eine geordnete Müllabfuhr oder Mülleimer zu sorgen, die auch geleert werden. Aber auch wie bei uns zu Hause ist hier bei weitem nicht alles perfekt.

Tourismus
Der Tourismus in Südamerika ist sehr ausgeprägt und somit eine wichtige Einnahmequelle für die Länder. Da Chile und Argentinien schon zu den wohlhabenderen Ländern gehört, kommt man hier an fast jede Annehmlichkeit, die man aus Deutschland gewohnt ist. Da Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas zählt, möchte natürlich jeder ein Stück vom Kuchen „Tourist“ abbekommen. Aus dem Grund wird man in Bolivien an fast jeder Ecke zur Kasse gebeten und das für die dubiosesten Dinge. Man muss für jede Kleinigkeit eine Gebühr oder Steuer abdrücken. Auf der Isla del Sol zum Beispiel sollten wir gleich dreimal in die Tasche greifen. Beim Betreten der Insel durften wir das erste Mal zahlen, zwei weitere Male beim Überqueren der Insel – quasi als Wegezoll. In Rurrenabaque sind wir dann allerdings völlig vom Glauben abgefallen. Als wir unser Gepäck aufgegeben hatten, bat man uns am nächsten Schalter die Flughafensteuer von sieben Bolivianos zu zahlen, mit verwirrten Blick taten wir, was von uns verlangt wurde. Aber gar nicht mehr fassen konnten wir es, als wir zu einem provisorisch aufgebauten Counter verwiesen wurden und da erneut einen kleinen Betrag für was auch immer – wahrscheinlich weil Tourist – zu zahlen. Wir reden hier wirklich über Peanuts, aber Kleinvieh macht bekanntlich ja auch Mist. Und ob man es nun geschäftstüchtig oder dreiste Abzocke nennt, ist jedem selbst überlassen.

Unser Fazit
Südamerika ist ein Kontinent voller Kontraste und für einen Reisenden manchmal etwas überwältigend. Aber wenn man sich, wie wir, auf die Menschen und die jeweiligen Sitten einlässt, dann kann man die Schönheit der Länder in vollen Zügen genießen.

Es grüßen aus der Ferne,
Tina und Andi von Itchy Feet

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