El Chalten – Mount Fitz Roy

Der ewig Verborgene

Zwei Tage vor Weihnachten erreichten wir den beschaulichen Ort El Chalten. Da dieser Ort als Ausganspunkt für Wanderungen rund um den Mount Fitz Roy dient, ist er von normalen Touristen nicht so überlaufen wie El Calafate und es geht hier etwas ruhiger und gemächlicher zu. El Chalten ist ein kleiner Ort im Süden Argentiniens. Es liegt im Departamento Lago Argentino in der Provinz Santa Cruz, nahe der Chilenischen Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares.

„Nur wo du zu Fuß warst,
bist du auch wirklich gewesen.“
– Johann Wolfgang von Goethe –

Nachdem wir uns kurzfristig dagegen entschieden hatten an der Gletscherwanderung teilzunehmen, planten wir als Alternative mit Vanessa eine Wanderung am Fuße des Mount Fitz Roy. Mit seiner Höhe von 3.406 Metern überragt er den gesamten Nationalpark und zählt bei Bergsteigern aus aller Welt zu den Highlights in Patagonien. Durch den Nationalpark verlaufen mehrere gut präparierte Wege, die sich zu unterschiedlichen Touren kombinieren lassen. Wir wollten am nördlichen Ende der Hauptstraße auf das 300 Meter hohe Plateau steigen und dann am Fuße vom Fitz Roy links in Richtung des Rio Fitz Roys wandern. Das Tal, durch das der Rio Fitz Roy fließt, ist der Zugang zum Glacier Grande und für uns ein sehr guter Weg um einen Roundcircus zu laufen und den Nationalpark am südlichen Ende der Hauptstraße wieder zu verlassen. Insgesamt ca. 20 Kilometer.
Bevor wir jedoch am Folgetag zu unserer Wanderung aufbrachen, machten wir am Abend vorher noch einen kleinen Spaziergang zu einem nahegelegenen Wasserfall. Glücklicherweise hatten wir uns den richtigen Zeitpunkt ausgesucht und konnten die letzten Sonnenstrahlen des Tages in das herabstürzende Wasser eintauchen sehen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir am nächsten Morgen in Richtung Nationalpark. Jo, Murray und Colin hatten sich uns angeschlossen und so machten wir uns bei sonnigem Wetter auf den Weg. Die gut erschlossenen Wege führten uns am Anfang gute 300 steile Höhenmeter auf das Plateau, welches sich am Fuße des Fitz Roy erstreckt. Von hier schweifte unser Blick über das flussdurchzogene Tal, in dem sich das Örtchen El Chalten wie ein malerischer Klecks ausbreitet.
Unsere Route gab uns immer wieder die Möglichkeit den Mount Fitz Roy an verschiedenen Aussichtspunkten zu bestaunen. Von weitem konnten wir jedoch die Wolken erkennen, die um die Spitze des Bergs herumtanzten und uns eine klare Sicht verwehrten. Nicht ohne Grund wurde der Granitberg von den Tehuelche Indianern „Chalten – Der Rauchende“ genannt.
Bis zu unserer Mittagspause sollte sich dieser Umstand nicht ändern. Erst als wir zwischen den beiden Seen „Laguna Madre“ und “ Laguna Hija“ in unsere Salamibrote bissen, konnten wir einen Blick auf die Spitze des Berges erhaschen. Immer noch fasziniert von dem Anblick brauchten wir eine Sekunde, bis wir den Fuchs 15 Meter neben uns entdeckten. Ganz entspannt und ohne Furcht lief er an uns vorbei auf der Suche nach etwas zum Jagen. Andi, der es als erstes realisierte, schnappte sich die Kamera und flitzte dem Fuchs hinterher. Nach ein paar Minuten kam er freudestrahlend zurück und zeigte die entstandenen Bilder.

Nachdem die Landschaft am Vormittag hauptsächlich aus Sträuchern, Büschen und kleinen Bachläufen bestanden, tauchten wir nun in einen verwunschenen Wald ein. Überall mit Moos überwachsene Bäume, Steinhügel und das Rauschen der Baumwipfel verzauberten uns. Mit einem Lächeln stiegen wir in diesem dichten Wald das Plateau wieder herunter und gelangten in das Tal durch dass der Rio Fitz Roy vom Grande Glacier nach El Chalten fließt. Wir traten aus dem Wald heraus und liefen die letzten Kilometer durch ein Feld von mannshohen Bäumen zurück nach El Calten. Nachdem wir unsere Wanderschuhe abstreiften und das heiße Wasser der Dusche genossen, merkten unsere müden Glieder die zurückgelegten Kilometer.

Normalerweise würden wir zu Hause an diesem Tag morgens aufstehen, den Baum im Haus schmücken, das Weihnachtsessen vorbereiten und uns am Abend mit unserer Familie zusammensetzen und feiern. Da wir jedoch weit von Zuhause entfernt waren, lief der Tag etwas anders ab. Wir hatten keinen Weihnachtsbaum zur Verfügung und die Familie hatte auf Grund der Zeitverschiebung den Weihnachtsabend auch schon hinter sich. Es gab jedoch eine Sache, die wir hier in Argentinien zur Feier des Tages veranstalten konnten und das war ein ordentliches Weihnachtsbarbecue! Da wir den Tag keine großen Pläne hatten, übernahmen wir zusammen mit Claire, Alex und Vanessa die Organisation und mit Hilfe von unseren Dragoman Guides Emma und Jaime den Einkauf. Nachdem die Mädels im Laufe des Nachmittags alle Beilagen zusammengewurschtelt hatten, übernahmen Alex und Andi den Grill und ihnen lief beim Anblick von 35 Chorizowürsten und 20 Steaks das Wasser im Munde zusammen. Mit einem vollgefutterten Bauch und einer glücklich gemachten Dragomancrew ging es für alle ins Bett, da ein neuer ereignisreicher Tag auf uns wartete.

Es grüßen aus der Ferne,
Tina und Andi von Itchy Feet

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